Wörrstadt/Turnow-Preilack Die größte deutsche Photovoltaik-Anlage will die juwi-Gruppe (Wörrstadt) am 20. August auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Brandenburg offiziell in Betrieb nehmen. Das Solarkraftwerk, das die Gruppe mit dem Unternehmen First Solar bei Turnow-Preilack (Landkreis Spree-Neiße) errichtet, habe eine Leistung von 53 Megawatt, was dem Jahresbedarf von rund 15 000 Haushalten entspreche.

Das teilte die auf erneuerbare Energien spezialisierte juwi-Gruppe am Montag in Wörrstadt (Kreis Alzey-Worms) mit. Bis Ende 2009 soll die Anlage komplett am Netz sein. Das Investitionsvolumen liegt bei mehr als 160 Millionen Euro.

Es ist eine Frage des Glaubens. Glaubt man der Atomindustrie, dann sind Kernkraftwerke Klimaschützer. Glaubt man den Umweltaktivisten, dann gehören sie abgeschaltet. Abseits der hitzigen politischen Debatte nach dem Störfall im Atommeiler Krümmel gilt es, auch die Öffentlichkeit für seine Sichtweise zu gewinnen – im Fokus steht dabei auch die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Laut der Organisation LobbyControl sind PR-Agenturen und Tarnorganisationen damit beschäftigt, Einträge zum Beispiel bei Wikipedia zu ändern. Aber nicht nur hier werden die jeweiligen Sichtweisen plaziert. Besonders aktiv sei in diesen Tagen das Pro-Atom-Netzwerk „Bürger für Technik“ – einige Mitglieder fielen vor allem mit Leserbrief- Offensiven zum Thema Kernkraft auf.

„Wikipedia-Manipulation gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben großer PR-Agenturen“, sagt auch Axel Mayer, Geschäftsführer der BUND- Regionalstelle in Freiburg. Es ist einfach, den Korrigierer von Einträgen ausfindig zu machen. Die IP-Adresse des Computers, die bei einer geänderten Version angegeben ist, wird bei www.coolwhois.com eingegeben und dort wird der Standort des Computers ausgespuckt. Unter der IP-Adresse 213.183.13.20 fügte etwa am 3. März 2006 jemand von einem Münchener CSU-Rechner ein Kapitel „Misserfolge und Kritik“ in den Eintrag zum früheren Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD) ein. Häufig werden solche Manipulationen aber rasch von engagierten Wikipedia-Nutzern wieder rückgängig gemacht – zumindest, wenn sie gegen das unparteiische Selbstverständnis der Enzyklopädie verstoßen.

Beim Thema Atom tauchte in der Vergangenheit beim Eintrag zum AKW Biblis wiederholt die IP-Adresse 153.100.131.14 auf. Der Computer steht laut „coolwhois.com“ bei Biblis-Betreiber RWE – geändert wurden etwa Angaben zu Störfällen. Auf den Seiten von deutschen Atommeilern seien nur selten Infos über Radioaktivitäts-Abgaben im Normalbetrieb oder zu Krebserkrankungen, kritisiert Mayer. Allein beim Eintrag zum Pannenreaktor Krümmel gab es seit der Reaktorabschaltung am 4. Juli mehr als 120 Änderungen – die meisten waren aber nicht tendenziös.

„Der professionelle Einsatz zum Ändern kritischer Einträge und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung geschieht häufiger, als man denkt“, meint LobbyControl-Vorstand Ulrich Müller. Oft träten nicht Konzerne selbst, sondern Agenturen oder scheinbar interessierte Privatpersonen als Korrektoren auf den Plan. Müller verweist auf Fachgruppen der Kerntechnischen Gesellschaft. Dort heißt es in einem Protokoll: „Zahlreiche Mitglieder der Fachgruppe engagieren sich auch als Autoren bzw. Korrektoren bei www.wikipedia.de“. Besonders das damit verbundene Netzwerk „Bürger für Technik“ versuche über Leserbriefe in Zeitungen und durch das Ändern von Internet-Einträgen eine atomfreundliche Haltung zu befördern, sagt Müller.

Das Deutsche Atomforum weist jegliche Verbindung zu PR-Agenturen zurück. „Wir haben niemanden damit beauftragt, entsprechende Einträge zu ändern“, sagt Geschäftsführer Dieter Marx. Er verweist darauf, dass zu einseitige Wikipedia-Einträge ruckzuck wieder korrigiert würden. „Das sind alles Einzelpersonen, die da mitdiskutieren.“ Die Bürger für Technik seien aktiv, ohne dass man da irgendetwas steuere. In der Kerntechnischen Gesellschaft seien 2500 Mitglieder, auf die man nicht alle Einfluss nehmen könnte. „Wir sehen das auch zum Teil kritisch, weil sie manchmal über das Ziel hinausschießen.“

BUND-Aktivist Mayer kämpft seit Jahren gegen die Veränderung von Seiten zur Kernenergie bei Wikipedia und das Löschen kritischer Verweise. „Einige Wikipedia-Seiten sind zwar ausgewogener geworden, Links zu den Seiten von Atomkraftgegnern werden nicht mehr sofort gelöscht“, sagt er. „Wir haben aber das generelle Problem der Waffenungleichheit“, klagt er. „Unsere Anmerkungen und Links wurden in der Vergangenheit zum Teil nach 15 Minuten gelöscht.“

Für unausgewogen hält Mayer unter anderem die Seiten der bayerischen Kernkraftwerke Isar in der Nähe von Landshut und Gundremmingen. Vergangenes Jahr war Mayer aber auch selbst ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil der BUND Freiburg als Gegenwehr so penetrant kritische Links bei Wikipedia-Einträgen zur Atomkraft setzte, dass diese Links auf einer Spamliste landeten. (Georg Ismar, dpa)

Quelle: heise-online

Abschaltung, Stillstand, Entsorgung – der Atomausstieg rückt näher

Die Diagnose: Kurzschlüsse, Maschinenprobleme oder Altersschwäche. Die Folge: mehrere deutsche Kernkraftwerke sind derzeit abgeschaltet, die Atomdebatte in der Republik ist neu entfacht.

Das Kernkraft Krümmel des schwedischen Betreibers Vattenfall steht in Geesthacht, Schleswsig-Holstein, am Ufer der Elbe in der Nähe von Hamburg. (Bild: AP)
Das Kernkraft Krümmel

Im Jahr 2000 hat die damalige rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen. Bis 2021 soll der letzte Reaktor vom Netz gehen. Das Datum ist umstritten. Die Union fordert längere Laufzeiten. SPD-Umweltminister Gabriel pocht auf den Ausstieg. Die Debatte über die Atomkraft wird zum Wahlkampfthema. Auch deshalb, weil sich Pannen in den Meilern häufen und zur Abschaltung führen – unter anderem in Krümmel bei Hamburg und in Philippsburg, in der Nähe von Karlsruhe. Seit Monaten vom Netz ist auch das älteste deutsche Atomkraftwerk im südhessischen Biblis – wegen einer Überprüfung. Wie man ein Kernkraftwerk entsorgt, kann man in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern sehen.

Das AKW Krümmel – südöstlich von Hamburg an der Elbe – liegt in der deutschen Pannenstatistik ganz vorn. Kritiker bezeichnen Krümmel als „getunten Schrottreaktor“. Zum schlechten Image trägt auch bei, dass die Öffentlichkeitsarbeit des Betreibers Vattenfall ebenfalls pannenreich war.

Krümmel – Von Matthias Günther

Schon wieder Krümmel. Und wieder hat ein Kurzschluss im Transformator zum Abschalten des Kernkraftwerks geführt. Außerdem hat es auch wieder Pannen bei der Meldung des Störfalls gegeben. Die schleswig-holsteinische Landesregierung bekam die Information nicht von Betreiber Vattenfall, sondern von der Polizei. Als Ministerpräsident Peter Harry Carstensen eineinhalb Stunden später den Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall, Tuomo Hatakka, anrief, um Näheres zu erfahren, da wusste der noch gar nichts davon. Carstensen platzte der Kragen:

„Das ist der letzte Versuch, den er hat. Wenn es dort wieder zu einer solchen Situation kommt, dann kümmere ich mich darum, dass dieses Kernkraftwerk abgeschaltet wird.“

Vor zwei Jahren hatte einer der beiden Transformatoren, die außerhalb des Reaktorgebäudes liegen, bei einem Kurzschluss Feuer gefangen. Der Reaktor wurde abgeschaltet. In der Hektik kam es zu Missverständnissen in der Reaktorwarte. Sie blieben ohne größere Folgen. Heftige Kritik gab es damals auch an der Informationspolitik von Vattenfall. Nach all dem bezweifelte die für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin, dass Vattenfall die nach dem Atomgesetz erforderliche Zuverlässigkeit mitbringt.

„Die Frage der Betriebserlaubnis aufgrund der Zuverlässigkeit des Betreibers ist eine berechtigte Frage. Diese Frage ist hochkomplex vor dem Hintergrund atomrechtlicher Voraussetzungen. Ich werde hier die Expertise eines externen Sachverständigen bei der Beantwortung dieser Frage zuziehen.“

Einige Stunden zuvor war schon das ebenfalls von Vattenfall betriebene
Kernkraftwerk Brunsbüttel nach einem Kurzschluss vom Netz gegangen – nach bisherigen Erkenntnissen ein zufälliges Zusammentreffen. Bei den Reparaturen wurden in beiden Meilern weitere Fehler entdeckt: Armaturen hatten Risse, Dübel waren nicht erdbebensicher. Aufwendige Reparaturen standen an. Damit standen zwei von drei schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken still. Zwei Jahre vergingen, bis wenigstens in Krümmel die Arbeiten abgeschlossen waren. Mitte Juni war es soweit. Ministerin Trauernicht sah nach dem Atomgesetz keine Möglichkeit, Vattenfall die Zuverlässigkeit abzusprechen. Krümmel ging ans Netz. Schon in den ersten Tagen gab es kleine Pannen: einen Defekt in der Elektronik und ein Bedienfehler. Nach zwei Wochen war wieder Schluss – der zweite Transformator hatte einen Kurzschluss. Es hätte wie vor zwei Jahren zu einem Brand kommen können. Das Kraftwerk wurde abgeschaltet. Vattenfall-Geschäftsführer Ernst-Michael Züfle schien aus der Kritik an der Informationspolitik zwei Jahre zuvor gelernt zu haben:

„Wir bedauern es außerordentlich, dass es durch den Vorfall erneut zu einer Verunsicherung der Öffentlichkeit gekommen ist. Außerdem entschuldige ich mich ausdrücklich für die Fehler in der Erstkommunikation. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um einen solchen Fehler künftig auszuschließen.“

Kurz darauf kam ein weiteres Versäumnis von Vattenfall ans Licht. Die Atomaufsicht hatte verlangt, ein System zur automatischen Überwachung der nicht mehr ganz neuen Transformatoren einzubauen. Vattenfall fuhr den Reaktor Mitte Juni aber wieder an, ohne das System wie vereinbart installiert zu haben. Prompt versagte wieder einer der Transformatoren. Vattenfall zog Konsequenzen: Der Kraftwerksleiter wurde abgelöst, außerdem versprach der Energie-Konzern, nunmehr beide Transformatoren durch neue zu ersetzen. Ministerin Trauernicht bezweifelte wiederum die Zuverlässigkeit von Vattenfall:

„Das ist ein Mangel an Professionalität und Qualität. Das erschüttert das Vertrauen nicht nur der Atomaufsicht, sondern der Bevölkerung. Deshalb reicht mir das auch noch nicht aus. Es wird ganz grundsätzlich zu klären sein, ob Vattenfall tatsächlich ein Betreiber ist, der verlässlich Kernkraftwerke betreiben kann.“

Dann musste der Konzern auch noch einräumen, dass es beim Herunterfahren des Reaktors Unregelmäßigkeiten gegeben hat, die auf einen Defekt an den Brennstäben schließen lassen. Geschäftsführer Züfle versuchte zu relativieren:

„Wir haben ca. 80.000 Brennstäbe in diesem Reaktor. Aus heutiger Sicht ist einer, vielleicht einige wenige nur defekt. Aber egal: Wir wollen, dass die alle in Ordnung sind. Und wenn einer nicht in Ordnung ist, dann detektieren wir den, und dann werden wir den auch austauschen.“

Nach diesen Hiobsbotschaften war auch für den Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall, Tuomo Hatakka, klar:

„Mir und für mich ist auch bewusst, dass wir erneut Vertrauen verloren haben. Und das müssen wir uns neu verdienen.“

Aber es ging nicht mehr nur um das Verhältnis von Vattenfall zur schleswig-holsteinischen Atomaufsicht: eine bundesweite Debatte über die Zukunft der Kernenergie war in Gang gekommen, und längst stellten nun auch Politiker der CDU infrage, ob das Kernkraftwerk Krümmel jemals wieder ans Netz gehen sollte.

Neben Krümmel gerät auch der Atommeiler Philippsburg immer wieder in die Schlagzeilen. 2001 führt eine Pannenserie im Reaktor, rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe am Rhein gelegen, zu einem Untersuchungsausschuss. Im Frühjahr 2006 ermittelt die Staatsanwaltschaft – es fehlen mehrere Schlüssel aus dem Sicherheitsbereich des Kernkraftwerks, das ungefähr ein Viertel des Strombedarfs in Baden-Württemberg abdeckt. Ende Juli wird einer der zwei Reaktorblöcke in Philippsburg wegen möglicher Fehler in den Maschinentransformatoren vorübergehend abgeschaltet.

Philippsburg – Von Uschi Götz

Nach drei Tagen Pause ist Block 2 des Atomkraftwerks Philippsburg Ende Juli wieder ans Netz gegangen. Es habe keine Sicherheitsmängel gegeben, teilt der Betreiber Energie Baden-Württemberg (EnBW) mit. Während der Abschaltung seien Ölproben von Isolierkerzen im Bereich der Maschinentransformatoren genommen und ausgewertet worden.

Rückblick – 2001. Ein Reaktor in Philippsburg wird wieder angefahren, obwohl das Notkühlsystem nicht ordnungsgemäß zur Verfügung stand. In der Folge werden weitere Pannen bekannt. Die SPD im Land setzt einen Untersuchungsausschuss durch. Der Vorwurf: Missmanagement im Stuttgarter Umweltministerium. SWR-Redakteur Ralf Heineken im Jahr 2002 mit einer Zwischenbilanz:

„Je mehr Zeugen aussagen, desto brüchiger wird die heile Fassade der Atomaufsicht im Land, die das Umweltministerium während der ganzen Affäre aufrecht zu erhalten versucht. Desto stärker werden auch die Zweifel am Kraftwerksbetreiber EnBW. Erstmals hat heute der stellvertretende Referatsleiter der Aufsicht, Klaus-Jürgen Kendler, eingeräumt, dass die Pannen in Philippsburg von der EnbW möglicherweise auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus billigend in Kauf genommen wurden.“

Auch der damalige Grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin wird als Zeuge vor den Ausschuss geladen. Nicht die Technik selbst sei der wunde Punkt in Philippsburg, so Trittin, sondern der Umgang mit der Reaktortechnik. Die EnBW geht in die Offensive, holt sich unabhängige Atomexperten ins Haus. Die Expertenkommission stellt keine akuten technischen Mängel fest, sondern Schwächen im personellen Bereich.
Seitdem die Expertenkommission den Bericht vorgelegt hat, sind vier Jahre ins Land gegangen und neue Minister ins Amt gekommen. Die baden- württembergische CDU-Umweltministerin Tanja Gönner sagt, seit der Pannenserie in Philippsburg habe sich viel geändert:

„Philippsburg war damals der Anlass, nicht nur, dass die EnBW ihr gesamtes Sicherheitssystem überprüft hat und auf einen neuen Weg gesetzt hat; die Einführung eines Sicherheitsmanagementsystems bei der EnBW entlang von Philippsburg wurde damals nicht nur entwickelt, sondern auch implementiert. Im Nachgang wurde die Aufsicht auch von einem Gutachter durchleuchtet, mit Vorschlägen, was ist notwendig für eine gute Aufsicht und wir haben in Baden- Württemberg einen neuen Ansatz für die Aufsicht entwickelt: „Mensch – Technik – Organisation“. Weil vorher war immer sehr stark auf die Technik geschaut worden und der Faktor Mensch und der Faktor Organisation weniger betrachtet worden. Das wurde von uns sehr stark entwickelt und wird heute auch sehr angewandt in der Art, wie wir dann auch Aufsicht führen, um genau den Punkt hinzubekommen.“

Auch ein weitere Schwachstelle soll demnächst nicht mehr bestehen: Um das Kraftwerk vor Luftangriffen zu schützen, soll in Kürze eine Vernebelungsanlage installiert werden:

„Ein Flugzeugabsturz hat dann entsprechende Auswirkungen auf Einrichtungen dieser Art, wenn ein Flugzeug in einem bestimmten Winkel erfolgen kann. Und deswegen kann eine Vernebelung dazu führen, wenn sie sehr schnell eingesetzt wird, dazu soll sie ausgerichtet werden, dass derjenige, der ein solches Flugzeug lenkt, abgelenkt ist und eben nicht ins Ziel trifft.“

Eine Investition, die sich lohnen muss. Wie CDU Regierungschef Oettinger spricht sich auch Ministerin Gönner für eine Laufzeitverlängerung von Philippsburg aus. Laut Atomausstiegsbeschluss aus dem Jahr 2002 soll Block I bereits in zwei Jahren abgeschaltet werden, Block zwei in acht Jahren. Doch die baden- württembergische CDU/FDP-Landesregierung gilt als treibende Kraft in der Diskussion um die Verlängerung der Reaktorlaufzeiten. Landesministerin Gönner:

„Wir würden uns als Aufsicht diesen ganzen Dingen nicht so stellen, wenn wir nicht überzeugt davon wären, dass wir Sicherheit in unseren Kernkraftwerken gewährleisten können. Und ich bin der festen Überzeugung, dass es richtig ist, entlang der Sicherheit zu argumentieren und nicht entlang der Frage: wie viel wurde eigentlich produziert oder wie viel darf noch produziert werden. Und unter diesem Gesichtspunkt ist dort die Haltung, im Übrigen der gesamten Landesregierung diejenige, dass wir eine Laufzeitverlängerung wollen und zwar entlang der Sicherheit der Kernkraftwerke verbunden mit der Vereinbarung, dass wir einen nicht unerheblichen Teil der Gewinne nutzen können für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, für Energieeffizienz und für Energieforschung.“

Im ältesten deutschen Atomkraftwerk im südhessischen Biblis geht seit Monaten nichts. Der Reaktore Biblis A steht wegen einer Überprüfung still. Der Betreiber RWE will ihn vorsichtshalber erst ein paar Tage nach der Bundestagswahl wieder anfahren. Der Reaktor Biblis B sollte Mitte Juli wieder ans Netz. Doch RWE hat sich dagegen entschieden und will nun nachrüsten. Man sei sich darüber im klaren – so das Unternehmen – dass gerade ältere Kraftwerke derzeit unter besonderer Beobachtung stünden. Aus Wiesbaden Anke Petermann:

Biblis – Von Anke Petermann

Mit 820 Störfällen seit Inbetriebnahme liege das älteste deutsche Atomkraftwerk Biblis weit oben in der Störfallstatistik des Bundesamtes für Strahlenschutz, prangert die SPD-Opposition in Hessen an. Gemeinsam mit Grünen und Linken wird sie nicht müde, Biblis als „Schrottreaktor“ zu geißeln. Im Wiesbadener Umweltministerium spricht man lieber von „meldepflichtigen Vorkommnissen“, wenn es zum Beispiel darum geht, dass Ende Juli im derzeit abgeschalteten Block B einer der Zuluftventilatoren wegen eines Motorschadens vorübergehend ausfiel. Keine Gefahr, heißt es aus dem Umweltministerium. Ressortchefin Silke Lautenschläger von der CDU merkt zur angeblichen Störanfälligkeit der beiden Reaktoren A und B an:

„Also wir haben gerade erst ganz neu eine Vereinbarung mit Bundesumweltminister Gabriel abgeschlossen von den vier Ländern, wo Kernkraftwerke sind, um klar zu gucken , was muss in Richtlinien oder im Regelwerk anders gemacht werden, aber es gibt bisher überhaupt keinen Grund, dass man sagen kann, dass es nicht sicher ist. Im Moment stehen die beiden Blöcke still, weil nachgerüstet wird, so dass man quasi ständig erneuert. Es sind unglaublich viele Auflagen umgesetzt worden, viele Millionen investiert worden und das zeigt, dass man einen Reaktor immer auf dem neuesten Stand halten muss.“

Wobei in Biblis immer viel aufzuholen ist. Derzeit werden beim älteren Block A die sogenannten „Sumpfsiebe“ ausgetauscht. Im Fall eines Rohrbruchs sollen sie verhindern, dass Verunreinigungen in den Kühlkreislauf geraten und das Notkühlsystem gefährden. Dass die Öffnung der Siebe zu klein war, fiel jahrzehntelang niemandem auf. Entdeckt wurde es erst bei einer Prüfung im Jahr 2003. Lange Revisionszeiten und ständige Nachrüstung beruhigen Ursula Hammann von den Grünen deshalb nicht.

„Es sind Generatoren der zweiten Generation. Die erste Generation ist Gott sei Dank schon abgeschaltet – Obrigheim und Stade sind schon weg vom Netz. Biblis A und B sind 1975 und 77 in den Leistungsbetrieb gegangen. Damals wurden die Betonhüllen dünner ausgestattet, man hat bauartbedingt andere Möglichkeiten gewählt, die aber bedingen, dass es sehr schwer ist, eine Rissbildung früh zu erkennen, und das macht das Ganze so gefährlich. Sie können in diesen AKW natürlich sehr viel alte Bestandteile nachrüsten, aber prinzipiell die Bauart, die können Sie nicht mehr verändern.“

2008 hätte der ältere Biblis-Block laut Atomkonsens schon abgeschaltet werden müssen. Doch der Energiekonzern RWE, so meinen Umweltschützer, zieht Prüfung und Wartung absichtlich über die Bundestagswahl hinaus, in der Hoffnung, dass Schwarz-Gelb nach einem Regierungswechsel die Laufzeiten der Altmeiler verlängert. Weil der lange und für RWE teure Stillstand in Biblis angerechnet wird, darf der südhessische Meiler mittlerweile bis 2010 am Netz bleiben. In Brunsbüttel und Neckarwestheim sei es ähnlich gelaufen, beobachtet BUND-Mann Thorben Becker:

„Also da steckt Taktik der Konzerne dahinter, die wollen genau das machen. Sie investieren de facto in Laufzeitverlängerung, das kostet sie natürlich richtig viel Geld, aber sie hoffen auf Zusatzgewinne. Ein abgeschriebenes Atomkraftwerk bringt de facto pro Jahr 300 Millionen Euro Reingewinn, das ist etwas, worauf ich so eine Konzernstrategie aufbauen kann.“

Für Laufzeitverlängerung ist Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger von der CDU samt Koalitionspartner FDP durchaus zu haben, allerdings will sie, dass die Energieriesen dafür zahlen:

„Wir wollen, dass ein Fonds gebildet wird, in den diejenigen – die, wenn sie eine Verlängerung bekommen, das heißt, wenn die Sicherheitsstandards stimmen, kann man bestimmte Laufzeiten aus unserer Sicht verlängern, dass dann aber die Kraftwerksbetreiber auch einzahlen müssen. Wir gehen davon aus, wenn wir bei zehn Jahren haben, dass wir dann bei rund 20 Milliarden liegen würden, und mit diesem Geld dann klar Investitionen in erneuerbare Energien machen zu können“,

und zwar in Forschung und Netze. Nach Meinung von Umweltverbänden, SPD und Grünen ist das aber widersinnig. Denn ausgerechnet der Weiterbetrieb großer, kaum regelbarer Grundlast-Atomkraftwerke behindere den Ausbau der erneuerbaren Energien.

In Lubmin, in der Nähe von Greifswald passiert das, was den anderen noch aktiven Atomkraftwerken in Deutschland ebenfalls widerfahren wird, wenn es beim Atomausstieg 2021 bleibt: in Lubmin wird das ehemalige volkseigene Kernkraftwerk Bruno Leuschner entsorgt, mit 1,8 Millionen Tonnen ist es die größte nukleare Altlast der Welt. Almuth Knigge hat sich den Abbau auf einer Führung angeschaut:

Lubmin – Von Almuth Knigge

Lubmin, das kleine Seebad, liegt verwunschen und verträumt ein paar Kilometer hinter der Hansestadt Greifswald. Eine einzige schmale Straße führt in den Ort, entlang an dichten Kiefernwäldern, alle paar Kilometer ein Hinweisschild zum Strand. Dann auf einmal hört der Wald auf und links erscheint ein riesiger Komplex mit gewaltigen braunen, fensterlosen Gebäuden. Das ehemalige Kernkraftwerk VEB Bruno Leuschner, elf Prozent des Strombedarfs der DDR wurden hier generiert. Doch seit 19 Jahren ist hier Schluss und auf den großen Wassertanks wachsen mittlerweile kleine Bäume, in den Gebäuden, die verlassen sind, nisten Turmfalken. Jetzt kann man sich den Atomausstieg live anschauen.

„So alle da, willkommen in einem russischen Kernkraftwerk, so sieht es aus, Bereiche, in denen wir uns bewegen werden, sind die sogenannten Kontrollbereiche. Auch wenn das KKW in Betrieb ist, sieht es nicht anders aus, aber sie brauchen sich keine Gedanken machen, dieser Reaktor ist nie mit Kernbrennstoff beladen worden, somit haben wir hier mit der Radioaktivität, die durch den Betrieb eines KKW entsteht, nichts zu tun.“

Hartmut Schindel arbeitet seit 30 Jahren hier, die Entscheidung, die Reaktoren 1990 abzuschalten, hat die Mitarbeiter überrascht. Aber an Lubmin lässt sich die Zukunft aller Kernkraftwerke in Deutschland beobachten, ob sie nun bis 2021 laufen, wie die rot-grüne Regierung beschlossen hat, oder länger, wie die Union es will, irgendwann wird jedes so alt sein, dass es vom Netz muss. In Lubmin werden die alten Reaktoren 1-5 zurückgebaut, – ferngesteuert. Weil man ja nicht rankommt – an den Kern. Bevor die Lubminer 1995 damit angefangen haben, gab es kaum Erfahrungen damit – jetzt sind sie Experten – und reisen durch die ganze Welt – auch nach Russland – und helfen, die atomgetriebenen U-Boote zu verschrotten. Auch das erzählt Schindel den Besuchergruppen, die er seit zwei Jahren durch Reaktor 6 führt.

„In diesen Räumen herrscht immer ein Unterdruck, das ist das Grundprinzip der nuklearen Sicherheit. Warum? Man will damit verhindern, wenn es zu einer Undichtigkeit kommt, dass nur saubere Luft von außen nach innen kommt.“

Hartmut Schindel doziert – über die Energiekrise und über Kernkraft und er lässt keinen Zweifel daran, dass er den Atomausstieg für falsch hält.

„Radioaktivität kann man nicht vernichten, das kann sie nur selbst durch den Kernzerfall, aber man kann sie in eine andere Form bringen, das machen wir hier, immer das gleiche Prinzip.“

Das passiert in der sogenannten DEKO. Im Kernkraftwerk heißt das nicht „Schön gestalten“ wie dekorieren – sondern – saubermachen – dekontaminieren.

„So – stecken Sie das bitte hier hinein – so dann nehmen Sie Ihren Ausweis – Sie haben auch einen Ausweis, der hat einen Magnetstreifen. So wie es hier dargestellt ist durchziehen und den grünen Pfeil bitte – nehmen Sie Ihr Dosimeter bitte mit“

Das Dosimeter soll hinterher zeigen, wie viel Strahlung der Besucher mitbekommen hat – im besten Falle zeigt es 0.00 – Millisievert ist die Einheit dafür.

„Herr Kopp bitte die 5168 anrufen, Herr Kopp bitte die 5168 anrufen“.

Herr Kopp heißt mit Vornamen Uwe und ist in Lubmin der Herr über die Deko. Hier, in der so genannten Zentralen Aktiven Werkstatt, wird versucht, alle Teile und Reststoffe, die bei der Demontage der Reaktorblöcke anfallen, von radioaktiver Verschmutzung zu reinigen. Mit Wasser, das mit 2000 bar aus einem Rohr herauskommt, wird die Oberfläche so sauber, dass aus dem Schrott hinterher wieder Suppenlöffel gemacht werden – sagt Herr Kopp.

„Nicht die Strahlung ist gefährlich sondern die Geräte, mit denen wir hier arbeiten“.

Ein Wasserdruck von 2000 bar ist eine Kraft, die durchs Fleisch geht und auch Knochen schneiden kann. Überall hängen diese Totenkopfschilder und die Aufforderung, vorsichtig zu sein. Trotzdem hatten Kopp und Kollege Schindel nie Angst. Nach der Wende höchstens die, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Schindel erklärt den Supergau

„Also die Kernschmelze passiert dann, wenn alle Notkühlsysteme ausfallen, das ist theoretisch möglich. Ob es praktisch möglich ist, kann ich Ihnen nicht sagen, theoretisch ist es möglich, es gibt ein sogenanntes Restrisiko, und da muss jeder für sich selbst entscheiden, a) kann ich damit leben, dann kann ich diese Technik befürworten, oder b) ich kann mit diesem Restrisiko nicht leben, da muss ich diese Technologie ablehnen, nur dann muss man weiterdenken, wie machen wir das denn anders, da hören Viele auf, aber so einfach ist es nicht.“

Quelle: deutschlandradio

Weg von den Hängen, rauf auf die windigen Hochlagen: Diese Standort-Botschaft für Windräder steckt in einer neuen Studie für zusätzliche Rotoren in Freiburg. Dafür müsste aber der Regionalplan geändert werden.

Die Regiowind GmbH will, dass sich auf Freiburger Gemarkung öglichst bald neue Windmühlen drehen – eine neue Studie mit aufwändigen wissenschaftlichen Windemessungen belegt nun: Hanglagen sind zu windschwach und damit als Standort ungeeignet. Der Standort „Kleiner Roßkopf “ etwa in der Nähe des vom Regionalverband ausgewiesenen Vorranggebietes fällt damit durchs Raster. Eine Windmühle mit 100 Metern Nabenhöhe würde ein Windgeschwindigkeit von 4,8 Meter pro Sekunde aufweisen – nötig wären allerdings 5,5 Meter um die gesetzliche Förderung zu erhalten.

Durch die neuen Messungen ergibt sich nach Ansicht von Regiowind eine neue Sachlage. „Wenn man weitere Windkraftanlagen in Freiburg realisieren will, und das ist eine politische Entscheidung, muss man auf in Standortsuche in den Hochlagen gehen“, sagt Geschäftsführer Johann-Martin Rogg. Das bedeutet: Wirtschaftlich geeignet wären zum Beispiel Standorte östlich des Roßkopfes – etwa der Hornbühl – oder die Höhenlagen zwischen Kybfelsen und Schauinslandgipfel, so Roggs Geschäftsführerkollege Andreas Markowsky. Nach Lage der Dinge müsste damit jedoch der Regionalplan geändert werden, damit Freiburg zu den politisch gewünschten zusätzlichen Windkraft-Standorten kommen könnte. Beim „Hornbühl“ kommt hinzu, dass dieser Standort bisher von der Nachbargemeinde Gundelfingen bislang stets rigoros abgelehnt worden ist.

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Bei Regiowind bleibt man optimistisch. Das Ökostrom-Unternehmen geht davon aus, dass bereits 2011 zusätzlicher Strom aus Windenergie geerntet werden kann – wenn alle an einem Strang ziehen. „Gerade am Beispiel der Stadt Freiburg wird sich zeigen, ob die neue Ausrichtung der Landesregierung beim Thema Windkraft zu konkreten, positiven Ergebnissen führt“, erklärt Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne).

Die Windmühlen am Rosskopf sollen Zuwachs bekommen – der rund einen Kilometer entfernt liegende Hornbühl wäre eine Variante. | Foto: Ingo Schneider


Die Regiowind GmbH will, dass sich auf Freiburger Gemarkung öglichst bald neue Windmühlen drehen – eine neue Studie mit aufwändigen wissenschaftlichen Windemessungen belegt nun: Hanglagen sind zu windschwach und damit als Standort ungeeignet. Der Standort „Kleiner Roßkopf “ etwa in der Nähe des vom Regionalverband ausgewiesenen Vorranggebietes fällt damit durchs Raster. Eine Windmühle mit 100 Metern Nabenhöhe würde ein Windgeschwindigkeit von 4,8 Meter pro Sekunde aufweisen – nötig wären allerdings 5,5 Meter um die gesetzliche Förderung zu erhalten.

Durch die neuen Messungen ergibt sich nach Ansicht von Regiowind eine neue Sachlage. „Wenn man weitere Windkraftanlagen in Freiburg realisieren will, und das ist eine politische Entscheidung, muss man auf in Standortsuche in den Hochlagen gehen“, sagt Geschäftsführer Johann-Martin Rogg. Das bedeutet: Wirtschaftlich geeignet wären zum Beispiel Standorte östlich des Roßkopfes – etwa der Hornbühl – oder die Höhenlagen zwischen Kybfelsen und Schauinslandgipfel, so Roggs Geschäftsführerkollege Andreas Markowsky. Nach Lage der Dinge müsste damit jedoch der Regionalplan geändert werden, damit Freiburg zu den politisch gewünschten zusätzlichen Windkraft-Standorten kommen könnte. Beim „Hornbühl“ kommt hinzu, dass dieser Standort bisher von der Nachbargemeinde Gundelfingen bislang stets rigoros abgelehnt worden ist.

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Bei Regiowind bleibt man optimistisch. Das Ökostrom-Unternehmen geht davon aus, dass bereits 2011 zusätzlicher Strom aus Windenergie geerntet werden kann – wenn alle an einem Strang ziehen. „Gerade am Beispiel der Stadt Freiburg wird sich zeigen, ob die neue Ausrichtung der Landesregierung beim Thema Windkraft zu konkreten, positiven Ergebnissen führt“, erklärt Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne).

Nicht erst seit die Erdölreserven zögerlich schwinden oder zumindest die Förderung immer teurer wird, wird der Ruf nach alternativen Energiequellen immer lauter. Dabei gibt es viele attraktive Ansätze, welche sich nachwachsender Rohstoffe bedienen.

„Fliegende Windkraftanlage“
Einige sind bereits realisiert wie Windkraft- oder Solaranlagen, manche noch in der Probe wie das Solarturm-Kraftwerk oder die Gezeitenkraftwerke. Viele Ansätze werden dabei wohl für immer Gedankenspiele bleiben, da die Umsetzung oftmals zu teuer ist. Das Konzept von Bryan Roberts von der University of Technology, Sydney, ist allerdings sehr vielversprechend. Dieses sieht eine Art Windkraftanlage vor, besser ist allerdings der Begriff „Fliegende Windenergieanlage“. Dabei werden eine oder mehrere Turbinen, ähnlich einem Hubschrauber, in den Strahlstrom (englisch „Jetstream“) eingebracht. Die durch die Turbinen gewonnene Windenergie wird mit Hilfe des Kabels, welches zugleich als Verankerung dient, an den Boden geleitet.

Das Starkwindband in der Atmosphäre
Während der Wind am Boden oftmals sehr unterschiedlich ist, wird dieser mit der Höhe immer unabhängiger von Bodeneinflüssen, schwankt also weniger stark im Tagesverlauf, die Turbulenzen nehmen ab, aber die absolute Geschwindigkeit nimmt gleichzeitig zu. Dies ist zum Teil bereits in 75 Metern Höhe der Fall, in welcher sich die Nabenhöhen typischer Windkraftanlagen bewegen. Noch höher sind allerdings die Windgeschwindigkeiten im Bereich des Jetstreams. Dieser ist mit ein bis fünf Kilometer Breite ein sehr schmales Starkwindband, welches sich in Höhen von acht bis 16 Kilometer, je nach geographischer Breite, um den Erdball windet. Der für unsere Breiten interessante Strahlstrom ist der ostwärts gerichtete Polarfrontjetstream mit Geschwindigkeiten zwischen 200 und 500 km/h. Ein Markenzeichen ist dessen Persistenz: Ganzjährig trifft hier die kalte Polarluft auf gemäßigte Luftmassen, an dessen Grenzfläche der Strahlstrom zu finden ist. Dennoch, das Geschwindigkeitsmaximum ist aufgrund des stärkeren Temperaturgegensatzes im Winter zu finden.

Ein kostengünstiges Konzept
Die dabei zu schöpfende Energie ist beinahe unendlich oder würde vielmehr den Weltenergiebedarf ohne weiteres decken können. Berechnungen von Bryan Roberts zufolge könnte diese Quelle mit 0,01-US$ pro kWh auch zur Kostengünstigsten werden. Nach dem Konzept der Firma „Sky Wind Power“ könnte man 600 Anlagen mit jeweils 20 MW zu einem Park mit 12.000 MW zusammenfassen. Auch hierbei würde der Preis sehr niedrig bei 0,01-US$ bis 0,01-US$ pro kWh liegen. Über den Zeitpunkt der Marktreife lässt sich streiten, allerdings stehen die Chancen gut, dass dieses Projekt schneller realisiert werden könnte als beispielsweise Solarstrom aus Afrika.

Schlüssel zur Energieunabhängigkeit?
Aber die Vorteile dürfen natürlich nicht ohne die Nachteile oder die technischen Hindernisse erwähnt werden. Da der Strahlstrom mäandert, kann die Windgeschwindigkeit so gering werden, dass Systeme, welche nicht frei in der Luft schweben, gelandet werden müssen. Dies kann problematisch sein, auch die Folgen eines unkontrollierten Absturzes können fatal sein. Blitzeinschläge oder Gewitter können die fliegenden Windanlage wieder auf den Boden zwingen.

(1) San Fernando Valley, Bild von Al Pavangkanan

(2) Schön zu erkennen ist der Strahlstrom in der 300hPa-Karte in grün, die Zonen der höchsten Windgeschwindigkeit sind in rot markiert, allerdings ist der Strahlstrom im Moment eher schwach ausgebildet

(3) Die Firma KiteGen verfolgt einen anderen Ansatz: ein Lenkdrachen fliegt in Schleifen in einer Höhe von 1000m, die Energie kommt dabei aus der Bewegung und der Zugkraft. Bild von Kyle Flood

(4) Schema einer auflasbaren Turbine der kanadischen Firma Magen, Graphik von James Provost

Bremerhaven. Rhenus Midgard hat Interesse, vor Blexen Reede einen Offshore-Hafen zu bauen. Welche Perspektiven bringt die Windenergie für Bremerhaven? Und wann nimmt die Diskussion um den Hafentunnel ein Ende? Mit Umwelt- und Verkehrssenator Reinhard Loske sprach Redakteurin Denise von der Ahé von der Nordsee-Zeitung

NZ: Ein Offshore-Hafen bringt die Grünen in die Bredouille. Wie löst der grüne Umweltsenator den Konflikt zwischen Naturschutz und Förderung der Windkraft?

Loske: Ich bin überzeugt, dass Bremerhaven zu dem Top-Standort für Offshore-Windenergie in Europa werden kann. Wir tun sehr viel dafür, damit die geplanten 25 000 Megawatt auf dem Meer zu einem großen Teil aus Bremerhaven kommen. Das fängt bei der Windenergieagentur an, geht über das Fraunhofer-Institut Iwes bis hin zur Forschungsförderung. Ein Offshore-Hafen passt daher in unsere Philosophie. Wir sind bereit, das positiv zu begleiten. Für Bremerhaven wäre es ein unschätzbarer Standortvorteil, Forschung, Dienstleistung, Produktion und Logistik aus einem Guss zu haben.

NZ: Und der Naturschutz?

Loske: Wir wollen den Hafen, aber wir müssen sicherstellen, dass die einzigartige Natur geschützt bleibt. Das Gebiet an der Weser ist ökologisch äußerst wertvoll mit vielen seltenen Vogelarten. Wir müssen europäisches Naturschutzrecht beachten, was eine hohe Hürde ist. Da es sich um ein FFH (Flora – Fauna – Habitat)-Schutzgebiet handelt, müssen wir eine Verträglichkeits- und Alternativenprüfung machen. Der Hafen muss aus ökologisch besonders sensiblen Bereichen heraus und möglichst weit weg von den Rastplätzen der Zugvögel realisiert werden. Denkbar wäre ein Standort nördlich des ehemaligen Lunesiels. Auch aus rechtlichen Gründen müssen wir den Standort so wählen, dass er naturverträglich ist.

NZ: Es wird diskutiert, alternativ die Doppelschleuse zu verbreitern.

Loske: Ich bin schon sehr erstaunt, dass eine Doppelschleuse, die man erst vor wenigen Jahren fertig gestellt hat, jetzt schon wieder zu eng ist. Seit 2002 haben die Erschließung des Luneorts sowie die Modernisierung des südlichen Fischereihafens mit der Schwerlastkaje 44 Millionen Euro gekostet. Ich hätte erwartet, dass daran gedacht wird, für die Windenergie eine breitere Schleuse zu bauen. Fachleute sagen, dass die jetzige Schleuse nicht ausreicht, weil die Spezialschiffe breiter sein werden. Wir müssen das klären.

NZ: Was ist mit dem Flughafen?

Loske: Einen guten Teil sollte man für Gewerbeflächen mit dem Schwerpunkt Windenergie nutzen. Allerdings braucht man auch Raum für einen Heliport, von dem aus Hubschrauber die Offshore-Anlagen erreichen können.

NZ: Thema Hafentunnel: Sie fordern einen verkürzten Tunnel mit Ampelkreuzung an der Cherbourger Straße und damit eine billigere Lösung. Die bringt mehr Lärm für die Anwohner. Wie erklären Sie das den Bremerhavenern?

Loske: Ich bin für die beste Variante. Die Kassen im Land sind arg knapp. Dass allein mein Hinweis darauf so heftige Reaktionen hervorruft, wundert mich schon. Es ist doch kein Frevel, in Zeiten wie diesen kostengünstigere Varianten in Betracht zu ziehen. Wir sind auf einem guten Weg, vom Bund 120 Millionen Euro zu bekommen. Falls die 160 Millionen, die Bremerhaven als Kosten ermittelt hat, zutreffen, fehlen noch 40 Millionen. Wir erwarten, dass die Hafenwirtschaft ihre Zusage von 15 bis 20 Millionen einhält. Dann bleiben bis zu 25 Millionen Euro offen.

NZ: Übernimmt die das Land?

Loske: Die Stadt Bremerhaven hat noch mal eine vertiefte Wirtschaftlichkeitsprüfung zugesagt. Die muss dann auch bald kommen. Der politische Wille ist bei allen Beteiligten da, dass das Land die 20 bis 25 Millionen Euro trägt. Das ist allerdings eine Aufgabe des gesamten Senates, nicht nur des Verkehrssenators. 25 Millionen sind mehr als doppelt so viel wie ich für Straßenunterhaltung jährlich zur Verfügung habe. Der Tunnel darf kostenmäßig nicht aus dem Ruder laufen. Deswegen bin ich froh, dass der Rechnungshof sich das anschaut.

NZ: Es wird seit Jahren über den Tunnel diskutiert. Wann fällt endlich eine Entscheidung?

Loske: Im Herbst 2010 will der Magistrat den Planfeststellungsbeschluss vorlegen. Sobald die Wirtschaftlichkeitsanalyse der Seestadt vorliegt, kann der Bund die erste Finanzierungsrate leisten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss die gesamte Finanzierung stehen. Dann können die Bauarbeiten 2012 beginnen.

Jiuquan (Reuters) – China hat den massiven Ausbau seiner Stromgewinnung aus Windenergie eingeleitet:

Am Samstag wurde mit dem Bau einer Zehn-Gigawatt-Anlage in der nordwestlichen Provinz Gansu begonnen. Die erste Stufe werde eine Leistung von 3,8 Gigawatt (GW) liefern und im kommenden Jahr ans Netz gehen, erklärte Vize-Gouverneur Feng Jianshen in Jiuquan. Insgesamt will China bis 2020 landesweit eine Windkraft-Kapazität von 100 GW aufgebaut haben von gegenwärtig zwölf GW. In Deutschland sind dem Bundesumweltministerium zufolge im Moment etwas mehr als 22 GW Leistung Windenergie installiert.

Ein Sprecher der chinesischen Energiebehörde NEA wies in Jiuquan Befürchtungen zurück, es könne eine Überkapazität entstehen. Windkraft mache bislang gerade ein Prozent des Stromverbrauchs aus. Die eigentlichen Probleme lägen beim Leitungsnetz, das für die entstehenden Strommengen nicht ausgelegt sei. China ist nach den USA der weltgrößte Stromverbraucher.

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BERGSTRASSE (red). Der Verein MetropolSolar hat den drei Kandidaten zur Landratswahl am 7. Juni im Vorfeld energiepolitische Wahlprüfsteine zukommen lassen. Sowohl Katrin Hechler (SPD) als auch Matthias Wilkes (CDU) und Jochen Ruoff (Grüne) haben den acht Punkte umfassenden Fragebogen beantwortet. MetropolSolar setzt sich für eine vollständige Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien und die Abkehr von fossilen und atomaren Energieträgern ein. Der Verein freut sich über politische Mandatsträger und Kandidaten, die sich glaubwürdig für diese Ziele einsetzen. Parteipolitisch ist MetropolSolar strikt neutral.

Quelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3774420

Alle drei Kandidaten befürworten das Ziel eines Umstiegs auf 100 Prozent erneuerbare Energien. Während Hechler und Ruoff hierzu auf alle erneuerbaren Energieträger setzen, will Wilkes lediglich Solarenergie, Biomasse und Erdwärme ausbauen. Die Ablehnung der Windenergie begründet Wilkes mit der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, Lärm und Schattenwurf. Windkraftanlagen in der hiesigen Region verursachten Schaden für Menschen wie Tiere.

Hechler hingegen plädiert für eine Ausweisung von Windkraft-Vorrangflächen im Regionalplan. Andernfalls bestehe das Risiko, dass über Gerichtsentscheidungen überall im Kreis Windkraftanlagen ermöglicht werden. Zudem erhofft sie sich durch Windkraftanlagen umfangreiche Investitionen im Kreis. Auch Ruoff plädiert für Vorrangflächen an Stellen, wo es naturschutzrechtlich akzeptabel ist, und sieht Planungssicherheit ebenfalls nur dann gewährleistet, wenn der Kreis nicht zur „windkraftfreien Zone“ erklärt wird. Während Ruoff und Hechler sowohl eine Laufzeitverlängerung für das AKW Biblis als auch neue Atomkraftwerke strikt ablehnen, schreibt Wilkes, er sehe für einen dritten Block in Biblis keinen Bedarf. Er befürworte allerdings eine Laufzeitverlängerung für das Bibliser Atomkraftwerk.

Unterschiedliche Antworten geben die Kandidaten auch auf die Frage, ob der Kreis ein umfassendes Energiekonzept zur Erschließung der regionalen Energiepotenziale benötigt. Hechler bejaht dies, ein entsprechender Antrag der SPD sei im Kreistag aber abgelehnt worden. Ruoff fordert einen „Plan für den Umstieg auf regenerative Energie“, der konkrete Schritte benennt und alle fünf Jahre fortgeschrieben wird. Wilkes wiederum verweist auf den existierenden Energiebericht des Kreises, der sich allerdings nur mit den kreiseigenen Gebäuden befasst.

Die Strukturen der Energieberatung im Kreis erachtet Wilkes grundsätzlich als ausreichend. Die Kommunen hätten bisher auch keinen größeren Unterstützungsbedarf angemeldet. Ruoff fordert eine stärkere Beteiligung der Städte und Gemeinden. Zudem sei die Einrichtung einer regionalen Energieagentur sinnvoll, die durch Beratung und Prozesssteuerung viel zur Energiewende beitragen könnte. Hechler hingegen befürwortet eine Verstärkung des Solar- und Energieberatungszentrums und schlägt zusätzlich ein Solarmobil mit mobiler Beratung vor.

Gemeinsamkeiten zwischen den Kandidaten gibt es bei der Ablehnung von neuen Kohlekraftwerken in der Region sowie der klima- und naturverträglichen Nutzung von Biomasse. Die vollständigen Antworten der Kandidaten können auf www.metropolsolar.de unter der Überschrift „100 Prozent Erneuerbare? Sie haben die Wahl!“ abgerufen werden.

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